’El Dorado’ Kolumbien? Wirtschaft setzt auf Friedensschluss

10.08.16 News auf deutsch

Deutsche Unternehmen sehen wegen des Friedensprozesses zwischen der kolumbianischen Regierung und den Farc-Rebellen wachsende Investitionschancen in dem südamerikanischen Land.

Quelle: Focus.de / Inhalt bereitgestellt von dpa

„In den letzten sieben Jahren hat sich bereits die Zahl der hier tätigen deutschen Unternehmen mehr als verdoppelt“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Kolumbianischen Industrie- und Handelskammer, Thomas Voigt, der Deutschen Presse-Agentur. Inzwischen seien 170 bis 200 Firmen aus Deutschland dort tätig.

In diesem Jahr erwarte man in Kolumbien ein Wirtschaftswachstum von drei Prozent - das stärkste in Südamerika. Bereits 2015 legte die Wirtschaftsleistung hier um 3,1 Prozent zu. Deutschland sei inzwischen der viertgrößte Lieferant von Waren nach Kolumbien und der achtgrößte Abnehmer kolumbianischer Produkte. Dazu gehörten vor allem Kaffee, Bananen, Palmöl und Schnittblumen. Zudem liefert Kolumbien viel Steinkohle nach Deutschland - nach Russland liegt das Land hier an zweiter Stelle.

Im Gegensatz zu kriselnden Staaten wie der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas, Brasilien, legt die Wirtschaftsleistung in Kolumbien weiter zu. „Schätzungen gehen von 1 bis 3 Prozent an zusätzlichem Wachstum bei Abschluss des Friedensvertrages aus“, sagte Voigt.

Seit 2012 wird über einen Friedensvertrag verhandelt, der in den nächsten Monaten besiegelt werden soll. Seit Juni gibt es bereits einen beidseitigen Waffenstillstand. Im Bürgerkrieg zwischen linken Guerillagruppen, rechten Paramilitärs und dem Militär kamen in dem Land seit Anfang der 1960er Jahre rund 220 000 Menschen ums Leben.

Durch den Konflikt und viele unsichere Regionen ohne staatliches Gewaltmonopol habe sich vieles auf die Hauptstadtregion Bogotá konzentriert. „Lange Zeit wurden 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hier erwirtschaftet, nun sind es nur noch 50 Prozent, weil mehr in anderen Regionen investiert wird“, sagte Voigt. Es gebe eine zunehmende Dezentralisierung. „Das Wachstum verlagert sich in die Regionen.“

Besonders stark entwickele sich derzeit der Tourismus. Das Land gilt für manche als eines der schönsten der Welt. „Der Tourismus ist bereits der größte Devisenbringer, noch vor Bergbau und Öl.“ Hier sei ein Boom zu erwarten. „Das kann eine der Top-Destinationen aus Europa werden.“ Der Kohleexport verliere dagegen wegen des Preisverfalls an Bedeutung. Umweltschützer kritisieren häufig die Abbaubedingungen.

Durch die sich seit Jahren verbessernden Rahmenbedingungen gebe es außerdem Versuche, die verarbeitende Industrie auszubauen, nachdem Bereiche wie die Textilindustrie schon abgewandert waren. „Dafür brauchen sie in Kolumbien Maschinen“, sagte Voigt. Nach Informationen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau seien im ersten Quartal so viele Maschinen hierhin geliefert worden wie fast noch nie, betonte er. Ein weiteres Wachstumsfeld sei die Solar- und Biomasseenergiegewinnung, wo Firmen mit dem Know-how der Energiewende helfen könnten, aber es fehle ein funktionierendes Einspeisegesetz.

Das Land sei jahrzehntelang von Großgrundbesitz und Landwirtschaft geprägt gewesen. „Der Friedensprozess ist auch Ausdruck eines Modernisierungsprozesses der Gesellschaft“, sagte Voigt. Und während die Lage im Nachbarland Venezuela immer dramatischer werde, schaffe der Friedensprozess vor allem eines: sicherere Rahmenbedingungen.

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